DTN Vorbilder - Songül Demirci

DTN Vorbilder - Songül Demirci
DTN Vorbilder - Songül Demirci

Diplompädagogin, 1982 in Mutlangen geboren
Integration beginnt mit dem Schritt in die Welt des ANDEREN.

Mein Name ist Songül Demirci und ich bin 26 Jahre jung. Und so lange bin ich auch schon in Deutschland. In Heubach bin ich aufgewachsen und habe dort meine Kindheit und Jugend verbracht.

Bereits im ersten Schuljahr war ich die einzige türkische Schülerin in der Klasse. Für meine Mitschüler war es kein Problem, dass meine Eltern keine Deutsche waren und ich andere Wurzeln besaß.

Nach der Grundschule durfte ich das Rosenstein-Gymnasium in Heubach besuchen. Auch dort war ich die einzige Türkin in der Klasse. In dieser Zeit lernten meine Mitschüler und ich sehr viel voneinander.

Während ich mir die deutsche Kultur immer mehr verinnerlichte, lernten meine Mitschüler die türkische Kultur kennen und sie zu akzeptieren.

Meine Eltern hatten privat kaum Kontakt zu deutschen Familien. Mir war dies jedoch sehr wichtig, so dass ich meine deutschen Freunde zu mir nach Hause einlud. Auf diese Weise konnte sich auch meine Mutter, ein kleines Bild von den „Deutschen" machen.

Nach dem Abitur beschloss ich Hauptschullehrerin zu werden. Daher studierte ich an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe Grund- und Hauptschullehramt mit den Fächern Mathematik und Deutsch.

Es war mir schon von Anfang an klar, dass mich in der badischen Großstadt ein neues Leben voller ungeahnter Überraschungen erwartete.

Eine von den bösen Überraschungen durfte ich schon bei der Wohnungssuche erleben. Aussagen wie „Wie war nochmal Ihr Name? … Oh, eigentlich suchen wir einen männlichen Mieter!" erinnerten mich an meinen Migrationshintergrund.

Nach dem Studium war ich auf das Lehrersein sehr gespannt. Doch in kürzester Zeit bemerkte ich, dass mein Interesse mehr dem sozialen Bereich galt. Ich wollte Kinder und Jugendliche nicht nur im schulischen Bereich unterstützen, sondern vielmehr ihnen bei der Identitätsfindung zur Seite stehen.

Gleichzeitig sollte mein Beruf als Brücke zweier Kulturen dienen. Deshalb beschloss ich kurzerhand Interkulturelle Pädagogik an der PH Karlsruhe zu studieren.

Schwerpunkt meines Studiums ist unter anderem „Deutsch als Zweit-/Fremdsprache", „Inlands-/Auslandskunde" und „Türkisch". Somit müssen Studierende, die die türkische Sprache nicht beherrschen, diese lernen. Sie setzen sich auch gleichzeitig mit der Kultur und Religion auseinander und bekommen Einblick in die Lebensweise ihrer Schüler.

Meiner Meinung nach ist das sehr von Bedeutung, da in jedem Arbeitsbereich und in jeder Altersgruppe Menschen mit türkischem Migrationshintergrund vertreten sind. Um ihnen helfen und sie unterstützen zu können, sollte man Einblick in ihre Welt haben.

Ich bin davon überzeugt, dass Integration und somit ein friedliches Miteinander nur dann gelingen kann, wenn man sich und den anderen die Chance für ein gegenseitiges Kennenlernen gibt.