DTN Vorbilder - Mükayil Dalbudak

DTN Vorbilder - Mükayil Dalbudak
DTN Vorbilder - Mükayil Dalbudak

Polizeibeamter 1981 in Göppingen geboren
"Ich war der einzige türkische Schüler in meiner Klasse."

Meine Eltern kamen 1970 aus der Türkei nach Deutschland. Mein Vater arbeitete als Bauarbeiter. Meine Mutter war zunächst als Hausfrau, später auch als Arbeiterin tätig. Ich kam 1981 als das vierte und letzte Kind der Familie auf die Welt.

In der Grundschule war ich der einzige türkische Schüler in meiner Klasse. Und damit begannen auch schon die ersten Probleme, die ich bisher so nicht kannte. Ich wurde zum ersten Mal mit Ausländerfeindlichkeiten konfrontiert. Das war für mich eine ganz neue Erfahrung. Wenn ich als „Scheiß-Türke“ beschimpft wurde, wurde nur ein Schüler aus der Klasse beleidigt, nämlich ich. Wenn ich aber mal „Scheiß-Deutscher“ gerufen habe, war sofort die ganze Klasse gegen mich. Ich befand mich in einer Zwickmühle. Einerseits wollte ich mich gegen meine Mitschüler mit den gleichen Mitteln wehren. Andererseits wollte ich auch nicht gleich die ganze Klasse beleidigen und sie dadurch gegen mich aufhetzen. Für mich war es zu diesem Zeitpunkt sehr schwer mit dieser Problematik umzugehen. Ich wurde aber nie handgreiflich. Das ist auch ganz einfach zu erklären. Ich war als einziger Türke in der Klasse alleine auf mich gestellt. Die anderen waren immer in der Überzahl. So bekam ich nie die Möglichkeit Wut und Zorn in Gewalt umzusetzen.

Heute bin ich nicht unglücklich darüber, dass die Umstände so waren. So musste ich früh lernen, dass ich Konflikte nicht mit Gewalt lösen kann. Ich musste versuchen, mich immer wieder trotz oder gerade wegen meiner türkischen Herkunft gegen meine Mitschüler durchzusetzen. Dies gelang mir in diesem Alter nicht immer. Das hat mich aber bis heute geprägt. Und so handle ich heute noch. Ich lasse mich wegen meiner Herkunft oder Religion nicht ausgrenzen. Im Gegenzug behandle ich auch jeden anderen so, wie ich gern behandelt werden möchte: Ohne Vorurteile!

1992 kam ich auf die Adalbert-Stifter-Realschule. Inzwischen hatte ich aber schon ein dickes Fell, was die Ausländerfeindlichkeiten gegen mich anging. Aber auch hier machte ich regelmäßig Erfahrungen in dieser Sache. Manchmal ignorierte ich die Sprüche. Manchmal überhörte ich sie absichtlich. Ich bekam aber regelmäßig von meinen Mitschülern zu spüren, dass ich nicht immer dazu gehörte. Schon damals fragte man mich häufig, ob ich mich denn als Deutscher oder aber als Türke fühle. Ich muss sagen, ich fühle mich sowohl deutsch als auch türkisch. Ich spreche beide Sprachen gleich gut. Ich habe das Beste aus beiden Kulturen für mich herausgepickt und es zu einer eigenen Kultur gemacht.

Nach der Realschule bewarb ich mich bei der Polizei. Dort bekam ich sofort eine Zusage. Am 1.3.1999 fing ich dann schließlich meine Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei in Göppingen als Polizeibeamter an. Bei der Polizei habe ich schon in mehreren Abteilungen gearbeitet. Bereitschaftspolizei, Streifendienst und die Kriminalpolizei waren meine Stationen. Im Dezember 2003 machte ich eine Fortbildung zum Jugendsachbearbeiter. Seit 1.1.2007 bin ich als Jugendsachbearbeiter beim Polizeirevier Schwäbisch Gmünd tätig.

Ich beschäftige mich sehr häufig mit straffälligen türkischen Jugendlichen. Ich versuche ihnen aufzuzeigen, dass ich mehr oder weniger die gleichen Hindernisse zu bewältigen hatte, wie sie es heute haben. Ich sage ihnen, dass ich nachvollziehen kann, was für eine schwere Zeit sie durchmachen. Doch mein Job ist es auch, die Konsequenzen für ihr Verhalten schonungslos aufzuzeigen.