DTN Vorbilder - Özlem Akcay

DTN Vorbilder - Özlem Akcay
DTN Vorbilder - Özlem Akcay

Medizinstudentin 1980 in Schwäbisch Gmünd geboren
"Es ist nie zu spät zu lernen"


Ich wurde 1980 in Schwäbisch Gmünd als ältestes Kind einer Arbeiterfamilie geboren und wuchs in Bettringen auf. Nach dem Besuch des Kindergartens und der Grundschule in Bettringen wurde ich in die Adalbert-Stifter-Realschule eingeschult und erlangte dort als Klassenbeste die Mittlere Reife. Danach besuchte ich das ernährungswissenschaftliche Gymnasium und schloss dies mit dem Abitur 1999 ab.

Im Jahre 2000 begann ich mein Medizinstudium in Tübingen, welches ich voraussichtlich 2008 beenden werde. Zur Zeit befinde ich mich im praktischen Jahr an der Klinik am Eichert in Göppingen.

Für meine Familie war es immer klar, dass ich studieren werde, da es nicht nur mein sondern auch deren Wunsch war. Die Familie hat mich deshalb bis zum heutigen Tag unterstützt.

Als ich zu studieren begann, wurde mir schon früh deutlich gemacht, dass der Medizinerberuf eher Kindern aus akademischen Familien vorbehalten ist. Ebenso gab es Pauschalverurteilungen gegenüber Ausländern seitens der Professoren. Dennoch kam für mich ein Aufgeben oder ein Wechsel in eine andere Universität nicht in Frage.

Eine Benachteiligung erfuhr ich in meinem Studium dennoch weniger durch meinen Migrationshintergrund. Eher war mein sozialer Status als Kind einer alleinerziehenden Mutter entscheidend. Sicherlich hätte ich bessere Ergebnisse erzielen können, wenn wir wirtschaftlich besser gestellt wären. Trotzdem bin ich sehr stolz, es dennoch hinbekommen zu haben.

Als großen Vorteil sehe ich meine türkischen Sprachkenntnisse, die ich noch sehr gut in meinem Beruf benötigen werde. Außer türkisch und deutsch spreche ich noch sehr gut englisch und etwas französisch.

Ich habe nicht Medizin studiert, um damit einen wirtschaftlichen Höchstgewinn zu erzielen sondern um Menschen einen Dienst zu tun und zu helfen. Aus diesem Grund möchte ich in der Zukunft gerne eine Praxis in Schwäbisch Gmünd als Hausärztin eröffnen.

Leider war die erste Generation der Türken nicht bildungsorientiert. Auf Grund ihres Bildungsniveaus konnten auch ihre Kinder nicht perfekt lernen. Allerdings ermutigt mich, dass sich durch den Generationswechsel in vielen Familien eine Veränderung einstellt.

Als die drei wichtigsten Faktoren für den Erfolg sehe ich Sprache, Eltern und den Willen. Es ist nie zu spät zu lernen, auch wenn man den Anfang verpasst hat.