DTN Vorbilder - Saban Yazici

DTN Vorbilder - Saban Yazici
DTN Vorbilder - Saban Yazici

Architekt, 1967 in Bayburt/Türkei geboren
Meine Auszeit war für meine berufliche Entwicklung ausschlaggebend.

Ich bin 1967 in der Türkei geboren. Mein Vater kam 1967 als Arbeiter der ersten Generation nach Deutschland, um in Stuttgart als Schweißer zu arbeiten.
Berufsbedingt zog mein Vater 1969 nach Lorch, wohin wir Ihm mit meiner Mutter folgten, während meine beiden älteren Geschwister in der Türkei bei den Großeltern blieben. Unsere Eltern planten damals nach einer gewissen Zeit wieder in die Türkei zurück zu kehren.

In Lorch besuchte ich den Kindergarten und lernte dort schnell die deutsche Sprache. Meine beiden Geschwister kamen erst 5 Jahre später nach Deutschland. In der Familie wurde türkisch gesprochen, während wir Kinder uns oft auch in deutsch unterhielten.

Während meiner Schulzeit fragte mein Vater selten nach meinen Noten. Er versuchte mir die Mitverantwortung für meine schulischen Leistungen zu übertragen.

Ab und zu bemerkte mein Vater uns Kindern gegenüber, dass wir ohne schulischen Erfolg später mit ihm um 5.30 Uhr aufstehen müssen, um auf dem Bau mitzuarbeiten.

Nach der Grundschule besuchte ich zunächst das Gymnasium in Lorch und dann das technische Gymnasium in Schwäbisch Gmünd. Es war etwas Besonderes, als einer der ersten Türken mein Abitur dort abzulegen. Anschließend studierte ich drei Semester Betriebswirtschaft in Nürnberg.

Nachdem mir diese Fachrichtung nicht zusagte, nahm ich mir eine Auszeit von einem Jahr, um mich beruflich neu zu orientieren. In dieser Zeit absolvierte ich mehrere Praktika, besuchte viele Vorlesungen diverser Fachrichtungen an der Uni Stuttgart und sammelte Informationen über mögliche Berufe. In dieser Zeit entdeckte ich mein Interesse für die Architektur und habe mein Studium in Hamburg begonnen. Dieses habe ich 1998 mit einem Diplom abgeschlossen.
Danach wurde ich vom Personalchef der Fa. GMP angeworben; ich hatte bereits während meines Studiums dort mein Praktikum absolviert und als Student mitgearbeitet. Das Büro GMP gilt als größtes deutsches Architekturbüro. Unter anderem war ich im Jahre 2001 an der Planung des Neubaus des Terminal 3 am Stuttgarter Flughafen beteiligt.

Im gleichen Jahr bin ich in das Architekturbüro meines Bruders Mustafa mit eingestiegen und wir führten es unter dem Namen „id architekten“ weiter. Inzwischen haben wir in Stuttgart eine weiteres Büro von „id architekten“ eröffnet. Die Teams unserer Büros setzen sich annähernd zur Hälfte aus deutschen und türkischen Mitarbeitern zusammen.

Der letzte große Erfolg für unser Büro war der 1. Preis bei dem Architekten-Wettbewerb für den Neubau des Feuerwehrhauses in Bettringen.

Aufgrund meiner Erfahrungen während meiner „Auszeit“ geben wir jährlich bis zu 10 jungen Leuten die Chance bei uns im Architekturbüro ein Praktikum zu absolvieren. Dabei schaue ich nur bedingt auf die Zeugnisse, sondern gebe auch Bewerbern mit vermeintlich schlechteren Leistungen eine Chance. Dabei nehme ich mir immer wieder Zeit, mit meinen Praktikanten deren Perspektiven zu entwickeln und umzusetzen.