DTN Vorbilder - Dilek Yazan

DTN Vorbilder - Dilek Yazan
DTN Vorbilder - Dilek Yazan

Hausfrau und gelernte Kindergärtnerin, 1974 in Yozgat/Türkei geboren
Ich wünsche mir mehr türkische Jugendliche mit einer Perspektive für ihre Zukunft.

Ich wurde 1974 in der Türkei geboren und kam als Baby zusammen mit meiner Mutter und meinen beiden Geschwistern nach Schwäbisch Gmünd, da mein Vater als Gastarbeiter der ersten Generation bereits hier arbeitete.

Meine Eltern fühlten sich in ihrer neuen Heimat immer fremd; folglich wurde zuhause immer türkisch gesprochen und wir besuchten auch keinen Kindergarten.
Mit mäßigen Deutschkenntnissen wurde ich eingeschult. In der Grundschule fühlte ich mich ausgegrenzt. Ich war die einzige türkische Schülerin in meiner Klasse und einfach anders.

Nachdem ich die Hauptschule absolviert hatte, legte ich meinen Abschluss ohne Englischprüfungsnote ab. Aufgrund meiner nur durchschnittlichen Noten fand ich anschließend keine Lehrstelle und arbeitete deshalb zwei Jahre lang als angelernte Verkäuferin.

Mit 19 Jahren heiratete ich und wurde Mutter von zwei Kindern. Mein jüngster Sohn besucht derzeit das Hans-Baldung-Gymnasium und ist dort ebenfalls der einzige Türke in der Klasse. Mein Mann kam aus der Türkei, hatte dort das Abitur abgelegt und sprach vor unserer Heirat kein Wort Deutsch.

Nachdem unsere beiden Kinder auf der Welt waren, vereinbarten wir, in der Familie nur noch deutsch zu reden, damit auch mein Mann die Sprache schneller lernt. Als meine beiden Söhne dann den Kindergarten und die Grundschule besuchten, stellte ich fest, dass viele Kinder Integrationsprobleme hatten. Durch mein Engagement bei meinen Kindern wurde ich nach und nach für viele Mütter Ansprechpartnerin in der Hardtsiedlung. Dabei unterstützte ich andere türkische Familien bei Übersetzungen, Behördengängen, Hausaufgabenbetreuungen und vielem mehr.
In dieser Zeit bemerkte ich, dass viele Kinder und Jugendliche vor den gleichen Probleme standen, wie ich sie früher hatte. Ich entschloss mich daher, einen Beruf im sozialen Bereich zu erlernen, um diesen Kindern besser helfen zu können und begann eine Ausbildung in Teilzeit an der Justus-von-Liebig - Schule in Aalen als Kindergärtnerin. Ich schloss diese Ausbil- dung mit einer Belobigung ab.
Um mich dennoch weiterentwickeln zu können, wollte ich den Realschulabschluss nachholen, um später ein Studium zu beginnen. Dies war aber ohne eine Englischprüfung nicht möglich. Ich lernte zuhause ein Jahr Englisch, um die Hauptschulabschlussprüfung in diesem Fach abzulegen.

Anschließend schrieb ich mich in die Fernuniversität in Hagen
im Fach Bildungswissenschaften ein und studiere derzeit im dritten Semester.
Mein Ziel ist es, als Pädagogin zu arbeiten, um den türkischen Kindern und Jugendlichen nicht nur in der Sprache, sondern auch in ihrem Sozialverhalten Unterstützung zu geben und Perspektiven aufzuzeigen. Ohne die Unterstützung meines Mannes könnte ich meine beruflichen Ziele nicht verwirklichen.
Derzeit betreue ich ehrenamtlich an der Friedensschule in Schwäbisch Gmünd die Schüler bei ihren Hausaufgaben. Weiterhin fördere ich die Sprachkenntnisse der Kindergartengruppe bei der Gmünder Lernhilfe.