DTN Vorbilder - Nuran Özcan

DTN Vorbilder - Nuran Özcan
DTN Vorbilder - Nuran Özcan

BA-Studentin und Seminarleiterin, 1975 in Istanbul/Türkei geboren
Schon als junges Mädchen bedeutete für mich ein erfülltes Leben, Familie und Beruf zu verbinden

Ich bin gerne Mutter und liebe meinen sechsjährigen Sohn über alles, aber nur Mutter und Hausfrau zu sein, war nie mein Lebensziel. Schon als junges Mädchen bedeutete für mich ein erfülltes Leben, Familie mit Beruf zu verbinden. Nach dem Schulabschluss studierte ich Kommunikationswissenschaften und Öffentlichkeitsarbeit in Istanbul. Mit 17 lernte ich meinen Mann kennen und lieben, als er im Urlaub in Istanbul war. 5 Jahre später, nach dem Abschluss meines Studiums heirateten wir.

Eigentlich wollte ich nicht auswandern, ich wollte in Istanbul leben und arbeiten. Meine Familie war auch dagegen und bezweifelte, dass ich in Deutschland meinen Beruf ausüben kann. Mein Mann versprach mir, mich zu unterstützen, um die Sprache zu lernen und arbeiten zu können. Also bin ich mit 22 Jahren in Aalen angekommen. Ich verlor keine Zeit und lernte an der Volkshochschule Deutsch. Nebenbei arbeitete ich in einem türkischen Reisebüro.

Ich lernte die Sprache schnell und lebte mich in Aalen gut ein. Im Jahr 2002 kam unser Sohn auf die Welt. Als er in den Kindergarten kam, wollte ich endlich meinen Beruf ausüben. Aber das Studium in der Türkei wurde nicht anerkannt, obwohl ich 8 Semester studierte und einen Abschluss habe. Damit wollte ich mich nicht abfinden und entschied mich in Deutschland ein Studium zu absolvieren. Ich hatte Interesse an einem BA-Studium, worauf ich mich bei einer Behörde um eine Ausbildungsstelle als Diplom-Sozialpädagogin bewarb, weil ich gerne mit anderen Menschen auf der sozialen Ebene Kontakte haben und ihnen helfen möchte.
Ich bekam eine Absage aufgrund mangelnder Erfahrung. Also entschloss ich mich, mir in diesem Bereich Erfahrungen anzueignen.

Im Jahr 2005 gab der Sozialberater Mustafa Oguz mir soziale Projektleitungen auf dem Rötenberg. Da habe ich Migrantenfrauen Deutsch- und Alphabetisierungskurse gegeben, den Kindern bei ihren Hausaufgaben geholfen, an Frauentreffs teilgenommen und die Tagesmutterausbildung abgeschlossen. Gleichzeitig war ich auch Übersetzerin bei Behördengängen und Arztbesuchen. Ich war motiviert und fest überzeugt, durch mein Engagement und meine gute Arbeit mein Leben und das von anderen Frauen positiv beeinflussen und entwickeln zu können.
Das Wichtigste für eine gelungene Integration ist die Chancengleichheit, um die Menschen Teil einer Gesellschaft werden zu lassen. Oft wurde ich gedemütigt und entmutigt. Man sagte mir, ich könne in Deutschland mit meinem Diplom nichts anfangen. Trotzdem gab ich nie auf und widmete mich meinem Ziel, auch wenn es noch so schwer war. Mein Mann unterstützte mich voll und gab mir immer neuen Mut.

Ich engagierte mich intensiver, belegte Kurse im Erziehungsbereich und bildete mich weiter. Heute leite ich Erziehungs- seminare bei „KESS“ für Deutsche und Migranteneltern. Nebenbei begleite und betreue ich seit Anfang 2007 türkische Familien.

Nun, im Oktober 2008, beginne ich an der Berufsakademie Heidenheim Sozialpädagogik zu studieren und bin 33 Jahre alt. Nach alldem bin ich sehr stolz auf meine Familie und auf das was ich erreicht habe.